Verfasst von: ibcrosscultures - Sandra Joszt | 1. Oktober 2009

China: Länderinformation

China (chin. Zhonggua = Reich der Mitte)

 

ist flächenmäßig das drittgrößte Land der Erde und ist mit rund 1,3 Mrd. Einwohnern das Land mit der höchsten Bevölkerungszahl (ca. 20 % der Weltbevölkerung).

China ist ein Vielvölkerstaat. Rund 92 % der Chinesen sind Han-Chinesen, es gibt aber weitere 55 offiziell anerkannte ethnische Gruppen (nationale Minderheiten). Die Han, Hui und die Mandschuren-Han sprechen Chinesisch, die sog. Han-Sprache mit wiederum regional unterschiedlichen Dialekten. Die restlichen Völkergruppen sprechen eigene Sprachen. Unterschiede sind aber auch in der Schrift, den Bräuchen, der Alltagsgestaltung und den Religionen gegeben.

Die 3 einflussreichsten Religionen bzw. Philosophien, die auch als Staatsreligionen akzeptiert sind:

  • Konfuzianismus
  • Daoismus
  • Buddhismus

Klimatische Bedingungen in China

Aufgrund der Größe des Landes und des vielseitigen Reliefs ist das Klima sehr vielfältig und reicht von extremem Kontinentalklima in Zentral- und Nordchina über Wüsten- und Steppenklima bis zu subtropischem und tropischem Klima  in Süd- und Südostchina.

Vor allem im Winter ist mit großen Temperaturunterschieden zwischen den Landesteilen zu rechnen, da in den Monaten von Oktober bis April kalte Luftmassen aus dem Norden Richtung Südosten ziehen. So ist es im Norden sehr kalt und trocken, während es im Süden keinen richtigen Winter gibt, obwohl auch hier die Temperaturen absinken können. Zu beachten ist außerdem, dass im Norden Wohnungen beheizt werden, im Süden jedoch nicht. Die natürliche Grenze bildet der Yangtze („langer Fluss“).

Im Frühling ist im Norden mit Sandstürmen aus den Wüsten zu rechnen. Von Mai bis September ziehen warme, feuchte Luftströme aus dem Süden ostwärts. In den Sommermonaten fällt vor allem im Norden der meiste Niederschlag. In südöstlichen Küstengebieten können die Regenfälle sintflutartige Ausmaße annehmen (Überschwemmungen). Die Sommer sind überall relativ heiß, vor allem in Zentralchina sind die Sommer sehr lang, heiß und feucht.

Es ist wichtig, sich der klimatischen Bedingungen bereits vor Reiseantritt im Klaren zu sein, um nicht zuletzt die Kleidung entsprechend auswählen zu können. Die für Mitteleuropäer vermutlich angenehmste Reisezeit sind der Frühling und der Herbst.

Kommunikation

Die zwischenmenschliche Kommunikation ist wohl unumstritten eines der schwierigsten Themen in China. Unabdingbare Notwendigkeit im Gespräch mit Chinesen ist das „Aktive Zuhören“, die Verbindung von Ohr, Auge, ungeteilter Aufmerksamkeit und Herz.

Ein guter Redner ist nicht so viel Wert wie ein guter Zuhörer. (Chinesisches Sprichwort)

Hauptproblem in der Kommunikation ist unsere Erwartung, eine definitive Aussage vom chinesischen Gegenüber zu erhalten. Chinesen kommunizieren jedoch unter „Wahrung des Gesichts“. 

„Wenn du schnell ans Ziel willst, wähle einen Umweg.“ (Chinesisches Sprichwort)

Feiertage

Im Vergleich zu Österreich oder Deutschland gibt es in China verhältnismäßig wenige Feiertage. Unterschieden werden traditionelle Feste nach dem chinesischen Mondkalender und Nationalfeiertage, wie der Gründungstag der Volksrepublik China am 1. Oktober und der Tag der Arbeit am 1. Mai.

Das Neujahrsfest („Guonian“) – auch Frühlingsfest („Chungje“) genannt – zwischen 21. Jänner und 20. Februar ist das wichtigste Fest. Gefeiert wird das Ende des alten und der Beginn des neuen Mondjahres. Die Tradition entstand bereits vor Jahrtausenden.

Es wird dabei viel Wert darauf gelegt, das Fest im Kreise der Familie zu begehen, was zu regem Reiseverkehr im Land und damit – aus meiner Erfahrung – im Vergleich zum restlichen Jahr zu stark überhöhten Reisekosten führt. Es wird darüberhinaus viel Wert auf festliche Dekoration und Schmuck der Häuser und Wohnungen gelegt, Sprüche und Glückwünsche werden angebracht, Bilder von Glück und Reichtum versprechenden Gottheiten aufgehängt und tage- und nächtelang werden Feuerwerke und Knallkörper entzündet. Die Kinder erhalten Geldgeschenke, beispielsweise in roten Tüten mit goldenen Glückwünschen oder in goldenen Glücksschweinen.

Das Neujahrsfest klingt am 15. Tag des ersten Mondmonats (Vollmond) im farbenprächtigen Laternenfest aus. Es werden überall bunte Laternen in verschiedensten Formen aufgehängt. Bekannt sind die traditionellen Teigbällchen aus Klebereis, die zu diesem Fest gegessen werden.

Am fünften Tag des fünften Mondmonats wird das Drachenbootfest gefeiert. Gedacht wird dabei des Selbstmordes des Dichters Qu Yuan, der sich in einen Fluss gestürzt hat. Er wollte Reformen gegen die Korruption und die Misswirtschaft am Qin-Kaiserhof durchsetzen, scheiterte jedoch aufgrund von Intrigen und wurde in die Verbannung gesandt. Qu Yuan war bei der Bevölkerung sehr angesehen.

Der Legende nach beruht das Drachenbootfest darauf, dass der Fluss in kleinen Booten abgesucht wurde, die das Bild vieler kleiner Drachen abgegeben haben soll. Gegessen werden auch zu diesem Anlass Bällchen aus Klebereis, die in Bambus- oder Schilfblätter gewickelt und mit Gemüse oder Fleisch gefüllt sind. Getrunken wird Schnaps. An diesem Tag finden Drachenbootregatten statt. Der Drache ist als Zeichen der männlichen Naturkraft ein wichtiges Sinnbild in der chinesischen Mythologie.

Das Mondfest, auch Mitte-Herbst-Fest gennant, wird am 15. Tag des achten Monats gefeiert. An diesem Tag soll der hellste Vollmond des Herbstes sichtbar sein. Als Zeichen für den Vollmond werden runde Mondkuchen gegessen. Auch dieses Fest wird im Kreise der Familie gefeiert. Die Form des Kuchens ist einerseits Symbol für den Vollmond und andererseits für die Familie.

Vor allem zum Neujahrsfest und an den staatlich festgelegten Feiertagen arbeitet der Großteil der Bevölkerung mehrere Tage hindurch nicht. Die fehlenden Zeiten werden sehr oft vor- bzw. eingearbeitet. Die Geschäftstätigkeiten sind meist für mehrere Tagen völlig eingestellt.

Die Zeit um „Chinese New Year“ muss gut durchdacht werden, da es durchaus möglich ist, dass Geschäftstätigkeiten bereits einige Tage vor den Festivitäten auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden.

Essen und Trinken haben in China einen besonderen Stellenwert und sind Ausdruck des Lebens von Harmonie und Beziehung.

Geschenke

„Guanxi“ ist einer der großen, grundlegenden Schlüsselfaktoren für den Erfolg in China. Als Guanxi bezeichnet man ein Netzwerk persönlicher Beziehungen, beginnend in der Familie, über Schul-, Studien- und Arbeitskollegen bis hin zu politischen Kontakten. Man hilft sich gegenseitig über seine Kontakte, vorgestellt werden die Kontaktpersonen jedoch nur, wenn Vertrauen besteht, da der Vermittler mit seinem Gesicht dafür einsteht.

Eine erhaltene Gefälligkeit wird mit dem Geben einer Gefälligkeit gut gemacht. Gleichzeitig wird der Empfänger einer Gefälligkeit dazu verpflichtet, ebenfalls Gefälligkeiten zu leisten. Bekannt ist diese Wechselseitigkeit auch als „Renqing“.

In China stehen auch Geschäftsbeziehungen auf dem Fundament persönlicher Beziehungen, um so wichtiger ist es, persönliche Ebenen zu den Geschäftspartnern aufzubauen. Begonnen wird dabei bereits im kleinsten Bereich, so sind für Geschäftsreisende Gastgeschenke ein absolutes Muss.

Kooperationen

Der Markteintritt in China sollte gut vorbereitet sein und bedarf einer genauen Analyse und Sondierung. Wichtige Fragen dazu sind, welche Zielsetzung am chinesischen Markt verfolgt werden soll, wie sich der Zeitrahmen darstellt, wie sich die Ausgangssituationen des eigenen Unternehmens und des (staatlichen, ehemals staatlichen oder privat gehaltenen) chinesischen Partnerunternehmens  darstellen. Mögliche Direktinvestitionen in der Volksrepublik China:

Equity Joint Ventures (EJV)
sind die häufigste Form von Fremdinvestitionen in China. Dabei handelt es sich um eine juristische Person mit eigenem Vermögen sowie eigenen Rechten und Pflichten. Ein ausländischer Investor muss zumindest ein Viertel des registrierten Kapitals halten. Die Gesellschafter haben Anspruch auf Gewinnauszahlung im Verhältnis zum investieren Kapital. Ein Equity Joint Venture kann Landnutzungsrechte erwerben, Gebäude errichten, chinesische Dienstnehmer einstellen, exportieren und importieren.
Üblicherweise bringt der chinesische Partner sein Wissen über den Markt in China, Kontakte zu wichtigen Regierungsstellen, seine Beziehungsnetzwerke, Kenntnisse über chinesische Geschäftspraktiken sowie innerchinesische Besonderheiten und der ausländische Partner bringt sein Know-how ein.

Contractual Joint Venture (CJV)
Anders als beim Equity Joint Venture wird das Verhältnis der Gewinnverteilung vertraglich fixiert und hängt nicht von der Höhe des Investments ab. Es handelt sich um ein Unternehmen mit beschärnkter Haftung. Die Haftung beläuft sich jedoch auf das Gesamtkapital. Für das CJV gibt es kein fixiertes Mindestinvestment, es ist auch möglich, Dienstleistungen oder Arbeit einzubringen. 

Wholly Foreign Owned Enterprise (WFOW)
Dabei handelt es sich um ein 100%iges Tochterunternehmen.
Vorteile gegenüber einem Joint Venture sind die schnellere Errichtung des Unternehmens, da langwierige Verhandlungen mit den Partnern wegfallen, die flexiblere Unternehmensführung, fehlender Einfluss chinesischer Investoren, volle Kontrolle über das Unternehmen. Weiters könnte der bessere Schutz des Know-hows gegeben sein.
Nachteile sind beispielsweise die fehlende Unterstützung des chinesischen Partners beim Markteintritt und der Markterschließung, fehlendes Guanxi und die Alleinaufbringung des Stammkapitals.

Adressen möglicher Interessenten für einen ausländischen Investor sind bei den Außenhandelskammern/-stellen erhältlich.

China ist riesig. In China leben mehr als eine Milliarde Menschen. Die dargestellten Informationen können daher keinesfalls als vollständig, sondern nur als grober Überblick und als Zusammenfassung gesehen werden.

Den Menschen begegnen, sich auf die Menschen einlassen, sie versuchen zu verstehen und sich an die Gegebenheiten anpassen… 

…das sind meine Erfahrungen, die ich aus meiner Zeit in diesem gigantischen Land voller Gegensätze, Extreme und in Symbiose lebender Widersprüche für mich persönlich mitnehmen konnte.


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